Sonntag, 6. November 2016

weinen und beten

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er braucht eine Familie, die für ihn da ist, Freunde, die zu ihm halten, ein Zuhause, zu dem er nach einem langen Tag zurückkehren und sich zur Ruhe legen kann. Er braucht Ziele, die ihn antreiben, Lehrer, die ihn leiten, Fehler, die ihn motivieren, einen Glauben, der ihn leitet (und sei es der Glaube an sich selbst) ...
Es mag Menschen geben, die kein Problem haben auf die eine oder andere Komponente zu verzichten. Mir fällt das Ganze nicht so leicht und das wusste ich bereits, bevor ich meine Reise vor 3 Monaten antrat. Ich wusste, dass mir meine Familie, meine Freunde, mein Alltag, meine Theatergruppe, meine Umgebung fehlen würden. Ich wusste, dass es Abende geben würde, an denen ich mich ganz schrecklich nach meinem Zuhause sehnen würde. Umso überraschter war ich, dass ich bisher kaum Heimweh hatte. Es gab hier und da Momente, an denen ich meine Eltern vermisste, doch erst Samstag erfuhr ich, was es heißt, richtiges Heimweh zu haben.
Es war der erste Tag, den ich allein in der neuen Gastfamilie verbrachte. Die ersten Tage hatte mich die vorherige Au-pair eingewiesen bis sie sich Freitag schließlich von uns verabschiedete, um reisen zu gehen. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass sie plötzlich weg war, oder einfach daran, dass ich noch nicht so richtig in Brisbane angekommen bin. Ich hatte auch schon seit 3 Wochen nicht mit meinen Eltern geskypet und die Tatsache, dass mir das Autofahren schwere fällt als erwartet, zog mich auch richtig runter. Ich vermisste Jake, seine Mum, Sydney und selbst den Bus in die City. Alles war mir über die letzten Monate hinweg so vertraut geworden und plötzlich befand ich mich in einer neuen Situation, einer neuen Stadt, einer neuen Familie. Ich fühlte mich unwohl, unsicher, ängstlich und so konnte ich einfach nicht mehr anders als zu weinen. Und wie ich weinte! Stunden verbrachte ich so im Bett. Erst am morgen, dann nochmal am Nachmittag bis mich schließlich eine Freundin aus Deutschland anrief und mich tröstete, mit mir betete. Dafür bin ich ihr so dankbar! Ich saß auf meinem Bett, das Handy in der einen, Taschentücher in der anderen Hand und lauschte ihrer Stimme. Und desto länger ich da saß und ihrem Gebet zuhörte, umso ruhiger wurde ich. Ich merkte, wie es mir nach und nach besser ging, wie auf einmal all die Last langsam von mir glitt. Es war ein unglaubliches Gefühl! 
Am Sonntagabend machte ich mich zum Hillsong-Gottesdienst auf, wo mich direkt einige Studenten in ihren Kreis aufnahmen, mich kennenlernen wollten. Auch wir haben gemeinsam gebetet. Vor dem Gottesdienst. Nach dem Gottesdienst.
Und ich konnte regelrecht spüren, wie ihre Worte mich stärkten, mich aufbauten. Wow! Ich konnte Gott und seine Liebe erleben, eine Welle, die meine Seele erfrischt. Und nun weiß ich, dass – selbst, wenn ich weit weg bin von Zuhause, selbst wenn ich vor Herausforderungen stehe und an mir zweifle – ich keine Angst haben muss, allein zu sein, denn das bin ich nicht. Nie und Nirgends.
Ich werde mit Sicherheit noch einige Tage, vielleicht Wochen, brauchen, ehe ich mich an mein neues Umfeld gewöhnt habe, ehe mir Brisbane so vertraut ist wie Sydney, ehe die Kinder mich akzeptieren und ich sie besser kennenlerne ... doch ich weiß, dass ich nur etwas Geduld haben muss bis es soweit ist. Hier warten viele Erkenntnisse und spannende Erlebnisse auf mich. Nun ist es an der Zeit, diese zu erforschen.

Mag sein, dass dieser Beitrag inhaltlich nicht wirklich geordnet ist, Sprünge und vielleicht Fehler enthält. Doch ich möchte ihn jetzt nicht korrigieren oder bis morgen warten und dann nochmal lesen. Ich möchte meine Erfahrung nun einfach mit euch teilen.

Gesegnete Grüße
Hanna 🐨