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Dienstag, 7. Februar 2017

Reminiszenz

Hey ihr Lieben,

ja ich bin noch am Leben. Besser noch: Ich genieße mein Leben mehr denn je. Ganz blauäugig würde ich sogar behaupten, ich habe momentan die Zeit meines Lebens, obwohl das eventuell zu weit hergeholt ist, weil da ja – will ich doch hoffen – noch ein paar Jährchen vor mir liegen. Mit Gewissheit jedoch kann ich sagen, dass ich mich derzeit nicht beschweren kann. Ich hab es mir auf einem blau karierten Sofa auf der Veranda des Hostels gemütlich gemacht und durchstöbere auf meinem Handy die zahlreichen Fotos. Hier und da lösche ich eines, weil ich fünf Aufnahmen vom selben Motiv habe oder das Bild ohnehin verwackelt ist. Hin und wieder huscht ein Lächeln über mein Gesicht. Dann lege ich das Handy auf meinen Bauch und starre einige Augenblicke land reglos an die Decke, an der ein kleiner Gecko entlang klettert. Meine Gedanken schweifen ab, zurück in ein vergangenes Erlebnis der letzten Monate.
Sie verirren sich nach Sydney, wo ich im Pullover durchs CBD schlendere, die Wolkenkratzer zähle und mich frage, wie viele Menschen hinter diesen Mauern wohl gerade mit einem Papierstau zu kämpfen haben. Sie bringen mich zurück zu Jake, der mir erklärt, dass Superman und Captain America am liebsten Apfelsaft trinken, Batman und Hulk jedoch Orangensaft bevorzugen. Dann bin ich auf einmal in Brisbane, sitze weinend auf dem Bett, weil ich noch keine Freunde gefunden habe, und als nächstes erscheinen da Menschen, die mich aufmuntern, willkommen heißen und zum Lachen bringen. Der Gecko über mir beginnt zu schnalzen und ich befinde mich wieder auf dem muffigen Sofa im Hostel.

Seit sechs Monaten schon befinde ich mich nun hier in Australien. Seit sechs Monaten schon bin ich in erster Linie auf mich allein gestellt, lerne neue Menschen kennen, besuche neue Plätze, organisiere mein Leben. Ich bin stolz auf mich. Ich bin stolz auf die Selbstständigkeit, die ich gewonnen habe, den Mut, den ich aufbringen musste, um hierher zu kommen, stolz auf die Entscheidungen, die ich getroffen habe. Ich bereue nichts. Dinge liefen schief. Ich musste Familien verlassen, weinte vor Heimweh, fühlte mich unerfahren, fehl am Platz. Doch diese negativen Eindrücke hielten nie lange an. Wenn eine Tür geschlossen wurde, öffnete Gott mir eine andere. Er nahm meine Hand und führte mich an einen neuen Ort, sandte mir neue Leute, die mir gut taten, zeigte mir, wie sehr Er mich liebt.


Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige!
Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?
Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.
Jesaja 43, 18-19


Sein größtes Geschenk an mich waren die Menschen, die mich inspirierten und mir dabei halfen, Ihm näher zu kommen. Insbesondere in den letzten Wochen bemühte ich mich, jede freie Stunde mit diesen Leuten zu verbringen. Wir nennen das Quality Time – eine Sprache der Liebe nach Gary Chapman. (Sprachen der Liebe. Ein sehr interessantes Thema, aber darüber kann ich euch ein anderes Mal berichten…)
Wir verbrachten Zeit an der Gold Coast, spielten Basketball, fuhren Skateboard in der City, hatten spontane Übernachtungspartys, kochten gemeinsam, lachten bis der Bauch wehtat, gingen zu Gottesdiensten, machten Musik, spielten Karten bis 3 Uhr nachts, beteten, lebten. Wow! Egal, was wir taten, ich fühlte mich fantastisch, fühlte mich geliebt. Die letzten Wochen waren ein Segen und ich bin Gott so dankbar dafür!

Allerdings geht jede gute Geschichte einmal zu Ende und so kam es, dass ich Brisbane am Samstag verlassen habe. Ich habe sowohl die Eltern als auch die Kinder, mit denen ich den Januar verbrachte, sehr liebgewonnen, wurde Teil der Familie, und dennoch war mir bewusst, dass ich sie bald verlassen würde, dass diese Beziehung eben nur temporär war. Das habe ich akzeptiert und verstanden. Daher war es auch kein Problem, meiner Gastfamilie am Samstag Tschüss zu sagen.
Schwieriger fiel mir der Abschied von meinen Freunden. Kein Wunder, dass ich zu unserem letzten gemeinsamen Gottesdienst Rotz und Wasser heulte. Ich hab sie einfach so lieb und weiß, dass sie mich auch sehr wertschätzen. Das ist so ein schönes Gefühl. Am Samstagmorgen kamen sie sogar extra zur Bushaltestelle, um meine Reisepartnerin und mich zu verabschieden. Das ist tiefer als Freundschaft. Das ist Familie. Und ich bin so froh, dass ich noch ein letztes Wochenende im April in Brisbane mit ihnen verbringen werde, bevor ich zurück nach Deutschland fliege. ♡


#familyinChrist


Doch davor genieße ich die kommenden acht Wochen. Es ist das letzte Kapitel meiner Australienzeit, das Kapitel, auf das ich im Prinzip die ganze Zeit drauf hingearbeitet hatte: Die Reise. Zwei wundervolle Monate werde ich mit der besten Reisepartnerin, die man sich vorstellen kann, zunächst die Ostküste und dann noch einen Teil des Südens Australiens erkunden. Das alles ist nur Dank ihres Organisationstalents zustande gekommen. Ich bin so glücklich, sie im August in Sydney kennengelernt zu haben, wo wir schon ganz geniale Sachen gemacht haben. Ehrlich, dieses Mädchen ist so ein Segen. Ich danke dir, A! ♡

Noch befinden wir uns an unserem ersten Stopp in Noosa, 150km weiter nördlich von Brisbane. Doch schon bald geht’s weiter. 
Mehr von Noosa und der weiteren Reiseplanung erzähle ich euch dann das nächste Mal, Freunde. An dieser Stelle möchte ich mich auch mal bei euch bedanken für die Zeit, die ihr euch nehmt, meinen Blog zu lesen und mich somit zu begleiten. Das bedeutet mir viel!
Seid behütet!

Aufbruchsgrüße

Hanna 🐨

Montag, 9. Januar 2017

Monatsrückblick Dezember: Sydney, (M)eine Weihnachtsgeschichte und der Start in ein neues Jahr

Hey ihr Lieben! <3

Long time no see! Und ich werde keine Ausrede dranhängen. :D 
Doch ein weiterer Monat (ja, sogar ein Jahr) ist vergangen und euch steht wie immer ein kleiner Rückblick zu. In erster Linie jedoch werde ich von meinem Urlaub in Sydney berichten. Dort hatte ich eine wundervolle Zeit. Ich feierte Weihnachten und Silvester mit tollen Menschen, wohnte wieder bei Jake und Deeyaa, hatte die Chance, erneut meine Freunde zu treffen, und es war eine große Überraschung, dass ich für die kurze Zeit, die ich in Sydney war, tatsächlich einen Nebenjob gefunden hatte. Ich arbeitete als Fundraiser für Kids Hope Australia, verbrachte also einige Tage damit, Menschen zu überreden, lustige Rentier- später auch Neujahrshüte für einen guten Zweck zu kaufen. Das ist nicht der schönste Job, aber Hey!, ich bin dankbar, überhaupt etwas gefunden zu haben.

Heilig Abend war in erster Linie eine merkwürdige Erfahrung: Von 10 bis 15 Uhr arbeitete ich, d.h. ich stand mit meinen Rentierhüten vor einem Shopping Center und nervte sämtliche Anwesenden, sie sollen doch passend zu Weihnachten noch ein Geweih kaufen.

Auf den abendlichen Gottesdienst im Convention Centre, Hills Campus freute ich mich schon den ganzen Tag. Blöd nur, dass der riesige Saal, als ich eintraf, schon voll war, und ich somit im Hub – einem kleineren Nebengebäude – landete. Als ich den Saal betrat, war ich schon recht enttäuscht: Da bin ich am 24. Dezember in Sydney und habe es nicht mal ins CC geschafft (eine Live-Übertragung des Gottesdienstes hätte ich mir genauso gut in Brisbane angucken können) und plötzlich kam mir auch der Gedanke, wie schön es doch wäre, jetzt mit meiner Familie in der kleinen gemütlichen Kirche in Theißen zu sein, beim Krippenspiel mitzuwirken, O du fröhliche zu singen und anschließend mit meinen Eltern und meinem Bruder im Wohnzimmer zu sitzen, gemeinsam Abend zu essen und Geschenke auszupacken. Ich aber saß ganz alleine in einer Kirche in Sydney, 16 000 km entfernt von meiner Familie, und obwohl mich Hunderte von Menschen umgaben, fühlte ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit richtig einsam. Da konnte ich nicht mehr und musste einfach weinen. 

Manchmal, wenn wir das Gefühl haben, ganz am Boden zu sein, schickt Gott uns einen Engel – einen Engel in Menschengestalt. Das ist in den meisten Fällen wohl auch viel praktischer als ein echter Engel Gottes. Der würde in einem rappelvollen Saal schon recht viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und müsste zuerst die ganze "Fürchtet euch nicht!"-Nummer abziehen, bevor er schließlich seine guten Neuigkeiten überbringen könnte. Nee, das hätte wohl alle Anwesenden überfordert. Da gab es eine bessere Möglichkeit.

Der Engel, den Gott mir an Heilig Abend vorbeischickte, als ich mich so sehr nach Zuhause sehnte, dass ich nicht aufhören konnte zu weinen – dieser Engel war eine junge Frau namens Annie, die zu mir kam und mich fragte, warum ich so traurig sei. 
Ich erzählte ihr, dass es mein erstes Weihnachten ohne meine Familie sei, dass ich alleine zur Kirche gekommen wäre, dass ich meine Freunde in Brisbane vermisste und momentan einfach Heimweh hätte. Annie hörte mir zu und erzählte mir anschließend, sie kenne das Gefühl, weil sie vor 14 Jahren von Amerika hierher gezogen sei. Zu ihrer allerersten australischen Weihnacht fühlte sie sich ganz genauso. Ihr Mitgefühl und die Einladung, ich könne mich mit zu ihr und ihrer Familie setzen, war ein riesiger Trost für mich. So konnte ich den Gottesdienst doch noch genießen und mich darauf konzentrieren, was Weihnachten – mal abgesehen von Coca-Cola, Geschenken und Kommerz – eigentlich ausmacht: Die Geburt Jesu und was das für uns Menschen bedeutet. Kurzer Abstecher in die Predigt: Wusstet ihr, dass Gott das Normale liebt? Er braucht keine Extravaganz, keine ausgefallenen Begebenheiten, um zu wirken. Nein, Gott liebt das Stinknormale sooo sehr, dass sein einziger Sohn in einem Stall geboren wurde von einer Frau aus Nazareth. (Nazareth war damals vielleicht in etwa so bedeutend wie Theißen. Ach, nicht mal. In Theißen gibt's wenigstens Globus...) Nazareth war klein und unbedeutend. Heute würden wir das vielleicht als Kuhdorf oder Kaff bezeichnen. Und trotzdem war Jesus bekannt als Jesus aus Nazareth. Der Sohn Gottes wurde geboren von einem stinknormalen Mädchen – ihr ist ein Engel erschienen – in einem stinknormalen (hier, ist stink wohl sogar wortwörtlich zu verstehen) Stall. Er wurde besucht von stinknormalen Hirten mit stinknormalen Schafen – auch ihnen ist zuvor ein Engel erschienen. Ist das nicht beruhigend? Wir müssen nicht aus der Masse herausstechen, um von Gott gesehen zu werden. Wir müssen nichts großartiges leisten, damit Gott uns einen Engel schickt. Nein, Gott kennt unsere Namen, jeden einzelnen von uns. Er kennt und liebt dich, auch wenn du stinknormal bist. :) Für Ihn bist du etwas ganz besonderes, sogar weil du stinknormal bist. Gott liebt das Durchschnittliche. Dafür gibt es noch etliche andere Beweise, doch hey ich bin nur die Pfarrerstochter. Da gibt's Menschen, die das wohl noch wesentlich besser erklären können. :D
Fakt ist, die Geburt Jesu verwandelte eine stinknormale Nacht in eine ganz besondere, so besonders, dass wir sie 2000 Jahre später noch feiern, weltweit, alt und jung, dick und dünn (naja, nach den Feiertagen wohl eher alle dick ...)


Nach der Predigt folgte das Krippenspiel. Das ist Zuhause übrigens andersrum... Die Gemeinde war schon recht beeindruckt, als Maria auf einem echten Esel in den Saal kam, die Schäfer zwei Lämmer mit sich führten und die drei Weisen zwei echte Dromedare. Wow. War ich froh, dass keines der Tiere in diesen aufregenden Minuten sein Geschäft verrichten musste. Lustig, im Convention Centre ist einem Dromedar nämlich genau das passiert, wie mir später erzählt wurde. 

Den 25. Dezember konnte ich schon wesentlich mehr genießen: Annie hatte mir für den Gottesdienst einen tollen Platz freigehalten und ich lernte einen freundlichen Hillsong-Studenten kennen. Den Nachmittag verbrachte ich mit Jake und Deeyaa – typisch australischer Weihnachtsfeiertag – im Pool. :) 

Auch die restlichen Dezembertage vergingen schnell und dann klopfte 2017 an. Silvester in Sydney ist schon eine sehr aufregende Erfahrung. Das riesige Feuerwerk an der Harbour Bridge ist weltbekannt und ich bin überglücklich, jene Nacht mit zwei Freundinnen aus Deutschland verbracht haben zu können. So startete ich zwar am anderen Ende der Welt ins neue Jahr, doch in gewisser Weise war ein kleiner Teil meiner Heimat bei mir. ♡ 

Und da sind wir nun: 2017! Ist das nicht cool? Ich weiß, dass sich viele Menschen auf dieses Jahr freuten, weil 2016 sich aufgrund zahlreicher Katastrophen und gestorbener Prominente insbesondere online sehr unbeliebt gemacht hat. Doch um ehrlich zu sein, ich habe 2016 geliebt! Ich wage sogar zu behaupten, es war das tollste Jahr meines bisherigen Lebens: Es begann mit zwei wundervollen Theaterpremieren, ging weiter mit meinem Schulabschluss (whooh-saa!!), einer genialen Zeit in Japan und Schwupps! befand ich mich in Australien! 3 Monate Sydney, 2 Monate Brisbane. Etliche wundervolle Ausflüge, Kennenlernen grandioser Menschen, Hillsong! ♡ 
Hey, mein Jahr war genial, doch das Beste ist: The best is yet to come! 2017, du bist dran!




Mein letzter Tag in Sydney: The beauty of Palm Beach.

Einen letzten Monat werde ich nun noch in Brisbane in meiner vierten und definitiv letzten Gastfamilie verbringen – diese Anzahl an Gastfamilien war ursprünglich nicht geplant, haha, aber ich bin froh darüber, wie alles gekommen ist, denn somit hatte ich die Chance viele fantastische Menschen zu treffen und jede Menge Erfahrung mit Kindern jeden Alters zu sammeln – und im Februar beginnt meine zweimonatige Reise. Die Zeit rast. Grund genug, jeden einzelnen Tag zu genießen! 

Ich hoffe, auch hier hattet wunderbare Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr! Das wird ein richtig cooles Jahr, versprochen! ♡

Neujahrsgrüße
Hanna 🐨

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Update vom 21. Dezember

Hey ihr Lieben!
Momentan sitze ich (wieder einmal) wartend am Flughafen, Domestic Departures, und werde mich in wenigen Stunden hoch oben in der Luft Richtung Süden befinden.
Ich habe zwei Wochen Urlaub und diese werde ich in Sydney verbringen. Ich freue mich schon richtig darauf, wieder bei Jake und seiner Mum unterzukommen, meine Freunde wiederzusehen, an Weihnachten den Gottesdienst im Hills Campus zu besuchen und an Silvester das wohl beeindruckendste Feuerwerk meines bisherigen Lebens an der Harbour Bridge zu sehen!

In letzter Zeit habe ich mich wie immer kaum gemeldet, dabei ist sogar einiges nennenswertes geschehen: Die letzten zwei Wochen beispielsweise lebte ich in einer anderen Gastfamilie – jep, das ist meine dritte – einfach aus dem Grund, dass meine eigentliche Brisbane-Gastfamilie momentan nicht so viel Hilfe nötig hatte und ich gerne beschäftigt bleiben möchte. Daher vermittelte mich mein Gastvater Paul kurzerhand an eine befreundete Familie weiter. Die letzten 14 Tage lebte ich also zusammen mit einem ganz liebevollen Elternpaar, einem siebenjährigen Jungen, einem dreijährigen Mädchen und einem Baby. Es herrschte jederzeit eine total gemütliche, lockere Atmosphäre, weil ich nicht wirklich als Au-pair angestellt war, sondern einfach ohne speziellen Aufgabenplan ein bisschen mithalf: Hier mal Spülmaschine ausräumen, da mal Kind beschäftigen, heute mal Abendessen kochen, morgen mal Baby ins Bett bringen. Das hat mir übrigens am meisten Spaß gemacht. Es handelte sich nämlich um ein sehr liebes und sehr süßes Baby! 😃
Gemeinsam bereiteten wir uns auch auf Weihnachten vor: Diese Woche wurden Plätzchen gebacken und hausgemachter Plumpudding gekocht, Deko gebastelt und Geschenke eingepackt. Die Kids haben immer fleißig mitgeholfen … vom Aufräumen im Nachhinein mal abgesehen.


Ich verbrachte natürlich auch wieder jede Menge Zeit mit der Gemeinde. Auch hier wuchs die Weihnachtsstimmung: Das Powerhouseteam organisierte eine Christmas Party, in den Gottesdiensten wurden Weihnachtslieder gesungen, es gab zwei Stuff the Bus Wrapping Sessions (Im Laufe der letzten Wochen wurden nämlich ganz viele Sport- und Spielsachen, Getränke und haltbares Essen für ärmere Familien Brisbanes gespendet und diese haben wir gemeinsame eingepackt. Das war ein Spaß!) und das große Finale bildete das Christmas Carols Spectacular in South Bank. Diese bunte Show brachte alt und jung auf die Bühne – singend, tanzend, frohlockend. Es war wundervoll! 

Eine atemberaubende Show: Christmas Carols Spectacular in Southbank

Ein Video gibt's hier!


Nun bin ich schon gespannt, was mich in Sydney erwartet. Was immer es sein wird... Ich lass es euch wissen!

Ganz liebe Urlaubsgrüße
Hanna 🐨

Dienstag, 6. Dezember 2016

Momentaufnahme #014


Die spinnen, die Aussies!

Ach ja, Adventzeit... Kerzenschein, Tannenduft, Weihnachtsmärkte, Glühwein – da fällt es einem sichtlich leicht, sich in der wundervollsten Zeit im Jahr voll und ganz dem Weihnachtszauber hinzugeben... 
Darum beneide ich euch! Bei fast täglich 30°C; schwüler Luft, die einem in Kombination mit dem eigenen Schweiß das T-Shirt am Körper kleben lässt; und dem pausenlosen Verlangen in den Pool zu springen, um sich abzukühlen; ist es nämlich gar nicht so einfach auch nur den Hauch einer besinnlichen Adventszeit zu spüren. 
Während ich Weihnachten in Deutschland als ein Fest der Stille, Liebe, Familie und Gemütlichkeit empfinde, fühlt sich der Advent in Australien in erster Linie bunt, verrückt und heiß an. Natürlich wusste ich, dass ich Weihnachten im Sommer verbringen würde, und ich hatte mich vor meiner Abreise sogar darauf gefreut, aber momentan könnte ich auf dieses Klima auch ganz gut verzichten: Entweder die Sonne knallt ohne die winzigste Wolke vom Himmel oder es zieht mal wieder einer der berühmten Gewitter- und Hagelstürme Brisbanes über die Stadt. Verrückt! 
Um mich wenigstens ein bisschen in Weihnachtsstimmung zu versetzen, machte mein Gastvater mit mir vor Kurzem eine kleine Christmas Lights Tour durch die benachbarten Suburbs. Wow! Mir war nicht bewusst, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihr Haus und ihren Garten sooooo übertrieben mit Lichterketten und allerlei buntem, blinkendem Krimskrams beladen. Das kann man nicht mal mehr als schmücken bezeichnen. Clark Griswolds Haus aus dem Film Schöne Bescherung ist dagegen echt schön anzusehen!
Die Christmas Lights Touren sind ein wahres Highlight in und um Brisbane. Man kann sogar eine dreistündige Busfahrt buchen, um all die irren Häuser zu besichtigen. Mir reichte eine halbe Stunde, um zu sehen, wie ernst einige Australier die Sache mit dem Schmücken nehmen. Desto greller, desto besser. Am besten lässt man gar keine freie Stelle mehr übrig, sorgt dafür, dass alles bunt ist und leuchtet, blinkt und singt. 
Natürlich habe ich ein paar Fotos für euch gemacht.




Ein Dezember in Queensland ist auf jeden Fall eine interessante Erfahrung. 
Auch in der Hillsong Gemeinde geht es verrückt zu. Nächsten Sonntag kommt selbst dort Santa zu Besuch und in der Woche vor Weihnachten wird in Southbank beim Christmas Carols Spectacular ordentlich gefeiert. Darauf freue ich mich schon. Denn auch, wenn ich in der Sommerhitze vor mich hinschmelze, auch wenn meine Familie auf der anderen Seite der Welt ist und ich Adventskränze, Weihnachtsmärkte und echte Tannenbäume wirklich vermisse, gibt es hier diese handvoll Menschen, die mir einfach gut tun, die ich bewundere und bei denen ich mich Zuhause fühle. Dank diesen wundervollen Geschöpfen erlebe ich hier tatsächlich die Zeit meines Lebens und trotzdem weiß ich the best is yet to come! 

Feuerwerk beim Mt Gravatt Campus: Lasst die Weihnachtszeit beginnen.

Liebe Freunde Zuhause,
genießt die Weihnachtszeit so gut ihr könnt. Feiert für mich mit, trinkt einen Glühwein für mich mit, friert für mich mit! ♡ Erfreucht euch an Weihnachtsmärkten, Stollen und Lebkuchen! Das gibt's nicht überall und darauf möchte man wirklich nicht verzichten. Fühlt euch mal alle ganz doll geknuddelt. Und wenn die Kälte euch nervt – glaubt mir – Weihnachten bei 30° ist viieel schlimmer. Ich hätte liebend gerne abends heiße Schokolade, aber dafür ist es zu warm, und Klimaanlagenkälte ist auch nicht so das Wahre. Wenn ihr Schneemänner baut, schickt mir bitte Fotos! Viele meiner Freunde hier haben noch nie Schnee gesehen und würden sich ganz bestimmt über Bilder freuen!

Mehr oder weniger weihnachtliche Grüße
Hanna 🐨

Mittwoch, 30. November 2016

Monatsrückblick Oktober und November: Altes und Neues

Hi. 
Da bin ich wieder. Knapp einen Monat später. Ohne gute Ausrede. Ich weiß nicht, wo meine Muse zum Schreiben abgeblieben ist, aber vielleicht sollte ich sie nun einfach in den Kleiderschrank sperren, um sie zukünftig jederzeit parat zu haben...

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Am besten im Oktober. Schließlich möchte ich mit diesem Beitrag gleich 2 Monate zusammenfassen. Das ist in der Tat eine Herausforderung, weil die Erinnerungen an meine letzten Erlebnisse in Sydney durch die lange Schreibpause und den Umzug bereits etwas verblasst sind. (Wie gut, dass du so einen ordentlichen Kalender führst, in dem du Vergangenes nachschlagen kannst, Hanna.) 
Diverse Ausflüge hatte ich noch gar nicht erwähnt, weshalb ich sie jetzt schnell zusammen fassen werde.

  • auf der Farm: Ich begleitete Jake und seine Mum auf eine (für europäische Verhältnisse nicht wirklich) alte Farm, wo wir ein (ebenfalls für Europäer nicht wirklich altes) Haus besichtigen, Pferde und Hühner füttern konnten. Bis heute ist es uns ein Rätsel, warum Jake sich vor den Hühner fürchtete, doch von den riesigen Pferden gar nicht genug bekommen konnte.
  • Au-pair-Treffen in Manly
  • Abstecher ins Australian Museum
  • Taronga Zoo Parade: Dieses Highlight fand am 15. Oktober in der City statt. Zehn bunt beleuchtete Tierskulpturen wurden dabei vom Hyde Park zum Opera House gezogen, um die Menschen auf vom Aussterben bedrohte Tiere aufmerksam zu machen. Eine wunderschöne Aktion! Tut euch einen Gefallen und schaut euch hier ein paar Bilder dazu an! ♡
  • Whale Watching am Darling Harbour: Das war ein fantastisches Erlebnis! Gemeinsam mit einer Freundin nahm ich an einer dreistündigen Tour durch die Gewässer vor Sydney teil, wo wir nach kurzer Zeit tatsächlich einige Buckelwale beobachten konnten. Wale sind wunderschön! Sie sind so riesig und wirken doch so friedlich. Bis zum nächsten Winter lassen sie sich nicht mehr in Küstennähe blicken. Nun ziehen sie durch die Ozeane bis im Mai die Whale Watching Saison von Neuem beginnt. Wer also in den kalten Monaten mal in Sydney ist, sollte sich dieses Naturspektakel nicht entgehen lassen!




  • Opernvorstellung: Das war ein grandioser Freitagabend! Eine Freundin hatte von ihren Gasteltern zwei Karten für die Premiere von The Opera (The Eighth Wonder) geschenkt bekommen und mich mitgenommen. Dafür bin ich ihr noch heute unglaublich dankbar, denn diese open air Vorstellung  auf den Treppen zum Opernhaus selbst, die sich komplett um die Entstehung des Gebäudes und den dänischen Architekten Jørn Utzon drehte, war überwältigend! Wow! 

  • Coastal Walk: Mein letztes Sydneyhighlight war der Coogee to Bondi Beach Walk, zu dem mich eine Freundin überredete. Hätte ich vorher gewusst, wie unglaublich einzigartig und wunderschön all die Ufer sind, wäre gar keine Überredungskunst notwendig gewesen, denn trotz viel zu heißem Wetter haben sich diese 6km Fußmarsch wahrlich gelohnt! Noch nie zuvor, habe ich so hübsche Strände live gesehen. Wir bereuten es jedoch auch ein wenig, bei jenem strahlenden Sonnenschein keine Badesachen mitgenommen zu haben... 


Guckt euch diese wundervollen Bilderbuchaufnahmen an! Ich bin noch immer hin und weg. ♡

Über meinen Umzug hatte ich euch ja ein wenig auf dem Laufenden gehalten. Seit dem 1. November bin ich nun in Brisbane und obwohl der Anfang recht hart war, geht es mir inzwischen grandios! Das habe ich vor allem den lieben Menschen zu verdanken, die ich bei Hillsong kennenlernen durfte, meinen Freunden aus der UQ Connect Family. Seit ich mich regelmäßig mit ihnen treffe, mit ihnen zum Gottesdienst gehe, rede, lache, Lobpreis singe, bete – erlebt mein Glaube einen Aufschwung und mit ihm auch meine Lebensfreude, Energie und mein Optimismus. Das mag für den ein oder anderen vielleicht kitschig klingen, doch ich habe das Gefühl, endlich etwas erreicht zu haben, wonach ich mich seit Jahren gesehnt habe. Es ist, als sei ich endlich in meinem Glauben angekommen, und mehr noch: Ich weiß endlich, dass es einen Grund gab, warum alles so kommen musste, wie es kam und ich meine ehemalige Gastfamilie verlassen musste.



 Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt. 
Sprüche 16,9 (LUT)



Wer die ein oder andere Hillsong Church schon betreten hat, wird vielleicht gemerkt haben, dass der Slogan WELCOME HOME ziemlich oft zu lesen und zu hören ist. Ich darf dieses Ankommen momentan tatsächlich erleben und das ist das Beste, was mir bisher in Down Under passiert ist. Andere Menschen verbinden Australien wohl mit dem Uluru, dem großen, roten Felsen im Outback, oder mit kuscheligen Koalas, so wie ich es bisher getan habe. Doch nun wird dieser Kontinent immer einen ganz besonderen, emotionalen Wert für mich haben. Ich habe ein zweites Zuhause... Um genau zu sein, habe ich inzwischen 3 Gastfamilien: Eine in Sydney, die ich schon jetzt vermisse, aber Ende Dezember endlich wieder besuchen werde, und zwei in Brisbane: bei der einen lebe ich, bei der anderen erlebe ich. Und ich liebe sie alle! ♡

Mit meinen Freunden aus der Gemeinde war ich inzwischen diverse Abende in der City unterwegs, was ganz cool ist, weil ich somit automatisch sowohl sie und als auch die Stadt besser kennenlernen kann. Vor zwei Wochen fuhren wir gemeinsam an die Gold Coast, um zu shoppen und den Abend in Surfers Paradise zu verbringen. Das war für mich der beste (und einzige) Ausflug seit langem! Eine wunderschöne Gegend (sehr touristisch allerdings). Ein sauberer Sandstrand. Acht junge Menschen. Eine Zugfahrt voller Worship-Gesang. Jede Menge Gelächter. Gemeinsames Abendessen. Was will man mehr? 

Eine happy Hanna vor der beeindruckenden Skyline von Surfers Paradise.

Wie gesagt, gab es noch keine weiteren wirklichen Ausflüge und dennoch habe ich auch mit kleinen Erlebnissen eine super Zeit hier in Brissy! 
  • Ich ging zum monatlichen Brisbane Au Pair Mingle bei Peterpans, das wir in der benachbarten Bar mit einem Flocktail – ich habe noch immer keine Ahnung, warum der Wodka-Ananas-Cocktail so genannt wurde – ausklingen ließen.
  • Es gibt hier 3 Mädels, mit denen ich mich wöchentlich zum Sport treffe, und darf jetzt stolz behaupten, einmal in meinem Leben 10km gejoggt zu sein!
  • Ich hatte endlich mein erstes typisch australisches Barbecue mit meiner Gastfamilie. (Sonne - Pool - Würstchen. Eine super Kombi!) 
Wenn dein Hintergarten aussieht wie ein Urlaubsresort...

Nun hoffe ich, dass dieser Post wenigstens zu einem kleinen Teil all die versäumten Berichte vergangener Wochen  wiedergut macht und euch einen Einblick in mein momentanes Dasein gibt. Wie schon so oft beende ich auch diesen Beitrag mit dem leeren Versprechen, in Zukunft mehr zu schreiben (na mal sehen...) und mit einem riesengroßen

D A N K E S C H Ö N !

an all die Menschen da draußen in Deutschland (und auch die in Australien, Peru und Kanada...), die ich meine Freunde nennen darf und die mich auf meiner Reise begleiten, obwohl sie soweit weg sind, die mit mir skypen, mir Nachrichten schreiben, Sprachmemos, Briefe und sogar Adventskalender (M.♡) schicken! Ich habe euch so super lieb und bin so dankbar, euch zu haben. Ohne euch wäre ich nicht hier, weil ich die Entfernung ohne eure Unterstützung niemals ertragen würde. Danke. Danke. Danke!

Dankbare Grüße
Hanna 🐨

Momentaufnahme #012


Montag, 21. November 2016

Sonntag, 6. November 2016

weinen und beten

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er braucht eine Familie, die für ihn da ist, Freunde, die zu ihm halten, ein Zuhause, zu dem er nach einem langen Tag zurückkehren und sich zur Ruhe legen kann. Er braucht Ziele, die ihn antreiben, Lehrer, die ihn leiten, Fehler, die ihn motivieren, einen Glauben, der ihn leitet (und sei es der Glaube an sich selbst) ...
Es mag Menschen geben, die kein Problem haben auf die eine oder andere Komponente zu verzichten. Mir fällt das Ganze nicht so leicht und das wusste ich bereits, bevor ich meine Reise vor 3 Monaten antrat. Ich wusste, dass mir meine Familie, meine Freunde, mein Alltag, meine Theatergruppe, meine Umgebung fehlen würden. Ich wusste, dass es Abende geben würde, an denen ich mich ganz schrecklich nach meinem Zuhause sehnen würde. Umso überraschter war ich, dass ich bisher kaum Heimweh hatte. Es gab hier und da Momente, an denen ich meine Eltern vermisste, doch erst Samstag erfuhr ich, was es heißt, richtiges Heimweh zu haben.
Es war der erste Tag, den ich allein in der neuen Gastfamilie verbrachte. Die ersten Tage hatte mich die vorherige Au-pair eingewiesen bis sie sich Freitag schließlich von uns verabschiedete, um reisen zu gehen. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass sie plötzlich weg war, oder einfach daran, dass ich noch nicht so richtig in Brisbane angekommen bin. Ich hatte auch schon seit 3 Wochen nicht mit meinen Eltern geskypet und die Tatsache, dass mir das Autofahren schwere fällt als erwartet, zog mich auch richtig runter. Ich vermisste Jake, seine Mum, Sydney und selbst den Bus in die City. Alles war mir über die letzten Monate hinweg so vertraut geworden und plötzlich befand ich mich in einer neuen Situation, einer neuen Stadt, einer neuen Familie. Ich fühlte mich unwohl, unsicher, ängstlich und so konnte ich einfach nicht mehr anders als zu weinen. Und wie ich weinte! Stunden verbrachte ich so im Bett. Erst am morgen, dann nochmal am Nachmittag bis mich schließlich eine Freundin aus Deutschland anrief und mich tröstete, mit mir betete. Dafür bin ich ihr so dankbar! Ich saß auf meinem Bett, das Handy in der einen, Taschentücher in der anderen Hand und lauschte ihrer Stimme. Und desto länger ich da saß und ihrem Gebet zuhörte, umso ruhiger wurde ich. Ich merkte, wie es mir nach und nach besser ging, wie auf einmal all die Last langsam von mir glitt. Es war ein unglaubliches Gefühl! 
Am Sonntagabend machte ich mich zum Hillsong-Gottesdienst auf, wo mich direkt einige Studenten in ihren Kreis aufnahmen, mich kennenlernen wollten. Auch wir haben gemeinsam gebetet. Vor dem Gottesdienst. Nach dem Gottesdienst.
Und ich konnte regelrecht spüren, wie ihre Worte mich stärkten, mich aufbauten. Wow! Ich konnte Gott und seine Liebe erleben, eine Welle, die meine Seele erfrischt. Und nun weiß ich, dass – selbst, wenn ich weit weg bin von Zuhause, selbst wenn ich vor Herausforderungen stehe und an mir zweifle – ich keine Angst haben muss, allein zu sein, denn das bin ich nicht. Nie und Nirgends.
Ich werde mit Sicherheit noch einige Tage, vielleicht Wochen, brauchen, ehe ich mich an mein neues Umfeld gewöhnt habe, ehe mir Brisbane so vertraut ist wie Sydney, ehe die Kinder mich akzeptieren und ich sie besser kennenlerne ... doch ich weiß, dass ich nur etwas Geduld haben muss bis es soweit ist. Hier warten viele Erkenntnisse und spannende Erlebnisse auf mich. Nun ist es an der Zeit, diese zu erforschen.

Mag sein, dass dieser Beitrag inhaltlich nicht wirklich geordnet ist, Sprünge und vielleicht Fehler enthält. Doch ich möchte ihn jetzt nicht korrigieren oder bis morgen warten und dann nochmal lesen. Ich möchte meine Erfahrung nun einfach mit euch teilen.

Gesegnete Grüße
Hanna 🐨

Mittwoch, 2. November 2016

Hey ihr Lieben, 

ich möchte allen Neugierigen nur kurz versichern, dass ich gut in Brisbane angekommen bin. Flug und Abholung vom Flughafen waren einwandfrei verlaufen. Auch wenn mir der Abschied von Jake und seiner Mama ehrlich nicht so leicht fiel, fühle ich mich inzwischen wieder sehr gut.  
Momentan zeigt mir B., die bisherige Au-pair, mit der ich mich übrigens bestens verstehe, ihre Routine, sodass ich, wenn sie uns am Freitag verlässt, um zu reisen, ihren Job problemlos übernehmen kann. 
Lediglich das Autofahren jagt mir noch immer recht viel Angst ein. Bisher bin ich nur einmal mit B. auf dem Beifahrersitz gefahren und es ist ein wahres Wunder, dass sowohl wir beide, als auch das Auto wieder heil Zuhause angekommen sind... Sich auf den Linksverkehr einzustellen, ist echt super merkwürdig und benötigt eine Menge Konzentration und Übung. Daher werden wir heute und morgen auch noch fleißig fahren üben, damit ich später die Kinder sicher zur Schule bringen und wieder abholen kann.

In nächster Zeit muss ich euch unbedingt noch von meinen letzten Erlebnissen in Sydney erzählen. Bevor ich nach Brisbane flog, hatte ich nämlich noch ein paar fantastische Tage mit Freunden und auch noch einige super süße Erfahrungen mit Jake.
Nun versuche ich aber erstmal mich hier richtig einzuleben, mich an all die neuen Umstände zu gewöhnen und ordentlich Autofahren zu lernen. Ich werde versuchen, mich regelmäßig zu melden, aber ihr wisst ja, dass mir das nicht allzu leicht fällt... Ich gebe mein Bestes!

Ankunftsgrüße
Hanna 🐨 

Dienstag, 25. Oktober 2016

Hiobsbotschaft... oder doch nicht?

In meinem letzten Post hatte ich ja bereits angekündigt, dass sich bald etwas verändern würde. Ich war am Überlegen, das Ganze erst nächste Woche zu lüften, aber inzwischen wissen sowieso schon einige von euch Bescheid, sodass ich nicht länger ein Geheimnis daraus machen möchte: Ich werde bald umziehen. Und das kam so...

Dienstags passe ich immer den ganzen Tag auf Jake auf, weil das sein preschool-freier Tag ist. Vormittags schauten wir Spy Kids, dann spielten und tanzten wir eine Runde. Am Nachmittag trafen wir uns mit meiner österreichischen Au-pair-Freundin und ihren Kids auf dem Spielplatz. Während wir beiden Au-pairs quatschend am Picknicktisch saßen, tobten sich unsere Kleinen richtig aus. Als wir schließlich nach Hause gingen, waren Jake und ich schon recht müde. Meine Gastmutter war bereits da und machte das Abendessen. Alles schien ganz normal zu sein, bis sie sagte: "Wir müssen reden, Hanna." 
Ich denke, jeder weiß, dass auf einen solchen Satz nie etwas Gutes folgt. Wir setzten uns also und ich spürte schon, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete. Ich hatte keine Ahnung, was geschehen war. Doch sie sprach ihr Anliegen sofort aus – und dafür bin ich echt dankbar! Kurz gefasst: Sie kann und möchte nicht länger die Dienste einer Au-pair in Anspruch nehmen. Ich müsse mir eine neue Gastfamilie suchen. Sie würde mich noch bis Ende Oktober bezahlen und ich könne auch solange im Haus wohnen bleiben, wie ich möchte. Aber es sei wohl das Beste, wenn ich schnell eine neue Anstellung bekäme. (Herrje, so viele Konjunktive...) 
Für all das gibt es natürlich auch einen Grund, der ihre Entscheidung nachvollziehbar macht. Dieser betrifft jedoch das Privatleben meiner Gastfamilie und hat somit nichts in meinem Blog verloren. Ich war natürlich mega traurig und enttäuscht über diese plötzliche Veränderung, doch keineswegs wütend, weil ich ihre Beweggründe kenne und verstehe. Und obwohl der Kloß in meinem Hals inzwischen gefühlt die Größe einer Pampelmuse angenommen hatte, konnte ich nicht weinen... Noch nicht. 
Meine Tränen hob ich mir bis zum nächsten Vormittag auf. In der Nacht hatte ich vor lauter Nachdenken nicht gut geschlafen und als ich schließlich alleine Zuhause war und mit ein paar Freunden darüber redete – meiner Familie und der Agentur hatte ich natürlich schon am Vortag Bescheid gegeben – da schossen mir die Tränen nur so aus den Augen. Das musste auch einfach raus. Alles war so perfekt, gemütlich und wunderbar hier in den Hills. Mit Jake hatte ich mich endlich richtig angefreundet. Und dann das. 
Für mich stand plötzlich fest: Ich muss ganz raus aus Sydney. Natürlich gibt es etliche potenzielle Gastfamilien in dieser Riesenstadt. Natürlich habe ich vier wundervolle Menschen in und um Sydney kennengelernt, die ich stolz meine Freunde nennen kann. Natürlich hätte ich auch Jake und seine Mama ab und zu besuchen können, wenn ich in der Nähe bleiben würde. Aber das will ich nicht. Zum Einen kann ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, bei einer anderen Familie in dieser Stadt unterzukommen. Nein, Jake solle mein einziges Sydneysider kid bleiben. Zum Anderen komme ich über diese plötzliche Veränderung bestimmt viel besser drüber hinweg, wenn ich mich in ein ganz neues Abenteuer wage, in eine neue Stadt, Brisbane. 

Binnen weniger Tage gelang es mir auch über Facebook eine Gastfamilie zu finden. Wir skypten am Sonntag, am Montag telefonierte ich mit der momentanen Au-pair und gestern schließlich buchte ich den Flug. Nächsten Dienstag schon werde ich also ganz woanders sein, neue Menschen kennenlernen, mich an eine neue Familie gewöhnen.
Einerseits macht mich der Gedanke, Jake zu verlassen echt traurig. Gestern meinte er zu mir: "You're gonna leave us. You're gonne leave me alone." Und das ließ mein Herz in 1 000 Teile zerspringen. Auch meine Freunde werden mir richtig fehlen. Sie waren schließlich der Grund, warum ich jedes Wochenende so genießen konnte. Doch ich bin mir sicher, dass ich spätestens am Ende meiner Australienzeit, wenn ich auf Reisen gehe, nochmal nach Sydney komme. Schließlich habe ich noch immer nicht im Pancakes on the Rocks gegessen!

Ich freue mich aber auch schon richtig auf Brisbane: Ich werde zu einem alleinerziehenden Vater mit 8-jähriger Tochter und 11-jährigem Sohn ziehen. Sie haben ein sehr schönes Haus mit eigenem Pool und einen kleinen Hund, was ich echt toll finde! Überzeugt hat mich, glaube ich, die Tatsache, dass sie eine musikalische Familie sind: Klavier, Schlagzeug und Gitarren sind vorhanden. Musik hat in den letzten 3 Monaten für mich eher eine kleine Rolle gespielt, obwohl sie mein ganzes Leben lang so wichtig für mich war, und daher kann ich es kaum erwarten, mal wieder am Klavier zu sitzen, mal wieder zu singen. ♪
Zudem freue ich mich auch darauf, ihre jetzige Au-pair kennenzulernen, die noch drei Tage mit mir verbringen und mich einweisen wird, bevor sie auf Reisen geht. Sie erschien mir schon am Telefon super sympathisch. ♪

Ist es nicht faszinierend, wie schnell sich so vieles ändern kann? Vor zwei Wochen hat mich der Alltag hier beinahe gelangweilt. Vor einer Woche saß ich heulend in meinem Zimmer, weil ich keine Ahnung hatte, was ich machen soll. Jetzt verspüre ich abwechselnd Trauer, meine Gastfamilie und Freunde hier zu verlassen, und Vorfreude auf mein neues Abenteuer. Und in einer Woche schon werde ich in Brisbane sein. Verrückt. 
Ein besseres Wort fällt mir gerade nicht dazu ein. Aber ein Bild fällt mir ein. Ein Bild, das mir eine Freundin schickte, als ich ihr letzte Woche so traurig von meiner Lage berichtete. Ein Bild, das zeigt, warum man manchmal einfach loslassen und Vertrauen haben sollte. Vertrauen in Gott. 





Ich bin mir sicher, dass in Brisbane eine ganz tolle Zeit auf mich warten wird. Ich werde neue Freunde finden, eine neue Gastfamilie lieben lernen, neue Orte entdecken, noch mehr leckere Restaurants ausprobieren... Weiterhin möchte ich gerne ab und zu in den Gottesdienst gehen. Zum Glück gibt es in ganz Australien Hillsong-Gemeinden, sodass ich nicht auf die fantastischen Worship-Lieder verzichten muss. 
Ich weiß, dass ich hier in Sydney auch mich schon besser kennengelernt und weiterentwickelt habe, und bin davon überzeugt, dass ich an neuen Herausforderungen und Erlebnissen in Brisbane ebenso wachsen werde.
Außerdem ist es doch toll, schon jetzt die Möglichkeit zu haben, eine weitere tolle Stadt kennenzulernen. Ursprünglich dachte ich, ich würde Sydney bis zum Februar nicht verlassen... Tja. Das Leben ist voller Überraschungen.

Gespannte Grüße
Hanna 🐨