Dienstag, 30. August 2016

In die blauen Berge wandern wir...

Schon vor einigen Wochen empfahl mir meine Gastmutter, einen Ausflug in die Blue Mountains zu machen, da diese gar nicht so weit entfernt von unserem Suburb seien. Dieses Gebirge ist bereits im Jahr 2000 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt worden und wird täglich von etlichen Touristen aus aller Welt besucht. Vor einigen Tagen also nahm auch ich an einer Daytour nach Katoomba teil. Diese Stadt ist insbesondere für das Jamison Valley und den Echo Point, die Three Sisters und die Seilbahnen der Scenic World bekannt. All diese Attraktionen konnten wir am Sonntag genießen.

Den Ausflug hatte ich gemeinsam mit einer Freundin bei Barefoot Downunder gebucht und so wurden wir am Sonntagmorgen in der City mit dem Bus abgeholt. Nachdem wir noch einige weitere Pick-Up-Points befahren hatten, war unsere Reisegruppe für diesen Tag komplett und schon bald fuhren eine japanische Studentin, eine Abiturientin aus der Schweiz, ein Geschwisterpaar aus Österreich, eine deutsche und eine norwegische Au-pair, ein US-amerikanisches Ehepaar und ein junger Mann aus Sydney gemeinsam Richtung Katoomba. Begleitet wurden wir von Ben, einem sehr entspannten Guide mit schulterlangem Haar, Dreitagebart, Sonnenbrille und Beanie, der uns während der Busfahrt – wenn er nicht gerade Geschichten über berühmte Aboriginals und böse Engländer des letzten Jahrhunderts erzählte – Reggea-Musik hören ließ. Er hatte diese Tour schon über 100 mal gemacht und kennt somit die besten Stellen, um das Naturwunder Blue Mountains zu genießen.
Zunächst machten wir einen Halt in Penrith, wo wir die Möglichkeit hatten, Kängurus in freier Wildbahn zu erleben. Ben zeigte uns, welche Tiere gerade Babys, sogenannte Joeys, im Bauch trugen, und erklärte uns, mit welchen Tricks die Tiere früher von den australischen Ureinwohnern zusammengetrieben und gejagt wurden.
Anschließend fuhren wir zum Jamison Valley, um entlang eines Wasserfalls durch das Tal zu wandern. Die Menge an Treppenstufen brachte mich zwar, besonders auf dem Rückweg nach oben, an meiner körperlichen Grenzen, (ich darf erinnern: mein sportliches Können entspricht dem einer Kartoffel) aber das war die Anstrengung wert. Wir sahen den Wasserfall aus allen Perspektiven, beobachteten Kakadus, lernten einiges über die Nutzpflanzen der Aboriginals (wer hätte gedacht, dass Kaugummis und Labello im Urwald einfach auf Bäumen wachsen?) und bekamen wundervolle Fotomöglichkeiten geboten. (Ich bin mir sicher, mein geliebter, in die Fotografie vernarrter Papa könnte eine Ewigkeit hier verbringen … 😜)
Traditionell wurde die Körpermalfarbe aus
Steinpigmenten und Kängurufett gewonnen.
Nach einer Mittagspause in Leura, wo es die offensichtlich beste Piebäckerei der Welt gibt, besuchten wir eine kurze, aber sehr beeindruckende Liveshow im Waradah Aboriginal Centre. Drei traditionell bemalte Aboriginies zeigten uns die Verbreitung, Tänze, Waffen und Werkzeuge ihrer Vorfahren, erzählten uns die Sage von Yidaki, dem ersten Didgeridoo-Spieler, und spielten dieses uralte Instrument natürlich auch für uns. Danach hatten wir die Möglichkeit, Fotos mit ihnen zu machen und Fragen zu stellen. Die Freundlichkeit und Offenheit dieser Menschen hat mich total beeindruckt und ihre Kultur und Geschichte sind wirklich sehr interessant! Ich hoffe, dass mir im Laufe meiner Zeit hier in Australien, noch mehr Möglichkeiten geboten werden, die Aboriginals, ihr Leben und ihre Historie genauer kennenzulernen.
Den Nachmittag verbrachten wir mit einer weiteren Wanderung durch die Blue Mountains. Wahlweise konnten wir auch die Seilbahnen der Katoomba Scenic World verwenden, doch das war mir ein wenig zu teuer. Zum Glück gibt es auch kostenlos etliche Routen und Aussichtspunkte, die einem wundervolle, verschiedenste Eindrücke in die Natur bieten. Der Undercliff-Walk, bei dem man unter einer Klippe entlangläuft und die Gesteinsschichten vergangener Jahrtausende begutachten kann, und der Lincoln’s Rock, eine Aussichtsplattform ohne Abzäunung, gefielen mir am besten.

Entspannen am Abgrund: Lincoln's Rock macht es möglich.
Auf der Rückfahrt war ich so kaputt und müde, dass ich nach einigen Minuten Bob Marley schon in tiefem Schlaf versunken war. Erst kurz vorm Erreichen der City bin ich wieder aufgewacht. Dort endete unsere Tagestour mit Ben, die mir echt viel Spaß gemacht hat.
Den Abend ließ ich mit meiner norwegischen Freundin in der Max Brenner Chocolate Bar ausklingen, wo wir unglaublich leckeres Schokofondue futterten und Erdnussbutter-Milchshakes tranken. (Ich liebe Erdnussbutter! Und auf diesem Kontinent gibt es alles mit Erdnussbuttergeschmack! – Da fällt mir ein... Meine Gastmutter erzählte mir, dass der Großteil ihrer Au-pairs um die 9kg in Australien zugenommen hat. Oh weh!)


Das war sicherlich nicht der letzte Nationalpark Australiens, den ich besucht habe. Sehr gerne zum Beispiel möchte ich auch noch den Royal National Park mit den Figure Eight Pools und dem Wedding Cake Rock sehen. Doch dieses Vorhaben hebe ich mir lieber für einen wärmeren Monat auf…

Abenteuerlustige Grüße
Hanna 🐨